Tipps für Elektrofahrzeuge
Bedienpult:

Kann man die Funktionsschalter für Blinker, Hupe usw. bedienen, ohne den Joystick loslassen zu müssen?
Andernfalls bleiben sie beim Bedienen des Blinkerschalters jedes mal stehen oder verreißen den Rollstuhl durch ungewollte Lenkbewegungen.
Wollen Sie mit dem Rollstuhl auch Tische unterfahren können, sollten Sie sich die Mechanismen zum Abschwenken des Fahrpults ansehen. Bedenken Sie, dass man sich an den offen liegenden Parallelogramm-Mechanismen (Foto) sehr leicht wunderbare Quetschungen holen kann. Besser sind die Lösungen, bei denen der Mechanismus abgedeckt ist.
Die Steuerpults gibt es in verschiedenen Ausführungen. Standard ist ein Joystick zum Steuern der Fahrt in Verbindung mit einigen Druckschaltern für Licht, Blinker und Signalton ("Hupe").
Etwas aufwendigere Steuerpults sind mit weiteren Schaltern für Verstellmotoren von Sitz, Fussstützen, usw. ausgestattet. Auch Steuerungen mit Displays zur Anzeige verschiedener Parameter (Tempo, Wegstrecke, Batteriezustand,usw.) sind erhältlich.
Eine Sonderform bilden Umfeldsteuerungen. Hiermit kann man vom Steuerpult aus sowohl den Rollstuhl, als auch diverse externe Funktionen per Funksteuerung aus bedienen. (z.B. Stereo-, TV-anlage, Raumbeleuchtung, Türöffner, usw.)
Federung:
Eine gut funktionierende Federung ist aus folgenden Gründen wichtig:
- Schläge, die ungefedert auf den Fahrer einwirken, belasten die meist ohnehin stark belastete Wirbelsäule der RollstuhlfahrerInnen noch mehr. Dabei sind es nicht nur die deutlich spürbaren groben Schläge, sondern auch die vielen kleinen Stöße, die jeder für sich gesehen, harmlos erscheinen, die aber auf die Dauer zu ernsthaften Rückenproblemen führen können. Das gilt auch für Rollstühle mit einer Geschwindigkeit von nur 6km/h.
- Schläge, die ungedämpft auf den FahrerIn einwirken, können zum Verreißen des Joysticks und zu ungewollten, gefährlichen Fahrmanövern führen. (plötzliches Bremsen oder unkontrollierte Fahrtrichtungsänderungen)

Lassen Sie sich nicht von den netten bunten Feder-/ Dämpferelementen täuschen! Bei einigen Modellen sind die Federwege derartig kurz und die Federn so hart, dass von einer Federwirkung eigentlich nicht gesprochen werden kann. (besonders bei leichteren FahrerInnen) Die FD-Elemente sollten die Möglichkeit bieten, aus das Fahrergewicht abgestimmte Federn einzubauen. Zudem sollte für die Feineinstellung die Federvorspannung einstellbar sein.
Mangelnde Abstimmbarkeit macht eine zufriedenstellende Wirkung der Federung zur Glückssache.
Die nicht angetriebene „Achse“ sollte wenigstens in der Lage sein, kleine Unebenheiten auszugleichen (Pendelachse, Waagebalken o.ä.). Eine vernünftige 4-Radfederung ist natürlich besser.
Unbedingt Probefahren!
Antrieb:
Stand der Technik sind bürstenlose, wartungsfreie Elektromotoren, die im Bremsbetrieb Energie zurück in die Batterie laden.(Rekuperation) Leider werden solche Motoren nur ausnahmsweise verbaut.
Rolli GTI
Interessieren Sie sich für eine Rollstuhlausführung die schneller als 6km/h fährt, sollten Sie folgendes beachten:
- Die Krankenkassen bezahlen nur die Basisversorgung. Deshalb müssen Sie die Mehrkosten für eine schnellere Version selbst tragen.
Die Kosten setzen sich zusammen aus- dem Mehrpreis für die stärkeren Motoren bzw. dem Anpassen der Steuerelektronik
- dem vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Warndreieck an der Rückseite des Rollstuhls
- der Beleuchtungsanlage
- Sie sollten bei der Krankenkasse zunächst versuchen Ihren Wunschrollstuhl in der 6km/h Version genehmigt zu bekommen. Ist der Rollstuhl genehmigt, unterrichten Sie die Krankenkasse von Ihrer Absicht, den Stuhl in der schnelleren Version zu bestellen. Das sehen die Kassen nicht sehr gerne und werden versuchen, Ihnen das auszureden, bzw. nicht zu genehmigen. Sie können sich bei der Durchsetzung Ihrer Interessen aber auf entsprechende Gerichtsurteile berufen. (siehe Linkverzeichnis)
- Sofern Sie durch Ihre Krankenkasse nicht an einen bestimmten Händler gebunden sind, sollten Sie versuchen, sich von verschiedenen Händlern Angebote zu den Mehrkosten für die schnellere Ausstattung machen zu lassen. Die preislichen Spielräume sind groß! Lassen Sie sich die Angebote machen, bevor sie Ihre Verordnung bei einem Händler abgegeben haben. Hat der Händler erst mal Ihre Verordnung, müssen Sie die Extraausstattung zu jedem Preis bei ihm kaufen.
Sitz:
Die meisten Standardsitze sind nicht ergonomisch geformt. Achten Sie darauf, dass Sitzfläche und Rückenlehne so geformt sind, dass Sie auch seitlich gestützt werden. Zu hohe Wülste an den Seiten können u.U. beim Umsetzten hinderlich sein.

Zum leichteren Aufstehen (in den Stand kommen) kann ein Sitzlift hilfreich sein. Damit lassen sich vom Rollstuhl aus auch Dinge in Höhen erreichen, die sonst für Rollstuhlfahrer unerreichbar wären.
Eine Sitzkantelung verstellt den Winkel der Sitzfläche. Dabei bleibt der Winkel zwischen Rückenlehne und Sitzfläche erhalten. Es wird also der ganze Sitz nach vorne oder hinten geneigt. Dadurch kann das „Sitzfleisch“ zwischenzeitlich entlastet werden. (man liegt dann ähnlich einem Astronauten in Sitzhaltung auf dem Rücken)
Ein „mitlaufender Rücken“ ist empfehlenswert, sollten Sie Ihren Oberkörper nicht aus eigener Kraft halten können, so dass Sie die Rückenlehne als ständige Stütze benötigen.

Beim Verstellen der Rückenlehnenneigung kommt es, sofern sie an diese angelehnt sitzen, dazu dass Ihnen das Hemd aus der Hose gezogen werden kann. Das hängt mit den verschiedenen Drehpunkten von Rumpf und Lehne zusammen. Um dies zu vermeiden, gibt es „mitlaufende“ Rückenlehnen, die die Bewegungsunterschiede zwischen Ihrem Rücken und der Lehne auf ein Minimum reduzieren.

Sollten Sie für den Moment der Rückenlehnenverstellung frei (also nicht angelehnt) sitzen können, kann man darauf verzichten. Es bringt nur unnötig Gewicht mit und muss bei der eigentlichen Lehnenverstellung auch noch mit bewegt werden, was zusätzlichen Kraftaufwand erfordert.
Aufrichtrollstühle (oft mit der zusätzlichen Modellbezeichnung "vertical" versehen) können den Nutzer von einer sitzenden (z.T. auch liegenden-) in eine stehende Position aufrichten. Dabei bewegt ein geeigneter Mechanismus die Sitzfläche und Rückenlehne nach und nach in eine vertikale Position. Viele Modelle sind in der aufgerichteten Position noch fahrbar, was z.B. am Arbeitsplatz (Regale) oder auch in der Freizeit (Bar) sehr hilfreich sein kann.
Batterien:

Sollten Sie Ihren Rollstuhl auch im Flugzeug mitnehmen wollen, brauchen Sie Gel-Batterien. Auch sonst sind sie empfehlenswert, da sie auslaufsicher und wartungsfrei sind. Zudem haben sie eine höhere Lebensdauer als Nassbatterien. Beim Laden „gasen“ sie nicht, so dass sie gut für Innenräume geeignet sind.
- Blei-Säure-Batterien
- der Klassiker unter den Batterien, gasen beim Laden, sind nicht auslaufsicher (Schwefelsäure!), anfällig gegen Tiefentladung
- Gel-Batterien
- auslaufsicher, lageunabhängiger betrieb, kein ausgasen beim Laden, höhere Lebensdauer als klassische Nassbatterien
- NIMh-Batterien
- höhere Energiedichte als bei Gel-Akkus, leichter als Gel-Akkus, Memory-Effekt!
- Litium Ionen Batterien
- Kein Memoryeffekt, doppelt so viele Ladezyclen wie NiMH Akkus, hohe Energiedichte
Befestigungsösen
Soll der Rollstuhl auch im KFZ transportiert werden können, empfehlen sich zur sicheren Verzurrung im Fahrzeug geeignete Sicherungsösen am Rollstuhl.